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Luxemburger Kollaboration: Historiker stellen Bericht vor

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Veröffentlicht am Mittwoch, den 11. Februar 2015

Historiker der Universität Luxemburg haben am 10. Februar einen Bericht zur Rolle der Luxemburger Verwaltungskommission im Zweiten Weltkrieg vorgestellt.

Der lang erwartete Bericht des Expertenteams der Universität Luxemburg, der unter der Leitung von Vincent Artuso und im Auftrag des Luxemburger Staatsministerium erstellt wurde, beleuchtet die Frage nach der Mitverantwortung und der Kollaboration der Luxemburger Verwaltungskommission bei der Judenverfolgung während des Zweiten Weltkriegs.

In dem 264-Seiten starkem Dokument untersuchten die Forscher insbesondere die Haltung der Luxemburger Regierung gegenüber den jüdischen Flüchtlingen in den 30er-Jahren und während der ersten Zeit der Besetzung, die Rolle und den Status der Verwaltungskommission, die ab 1940 die Luxemburger Regierung ablöste, und die Art und Weise, wie die Behörden die Befehle der Gauleitung nach der Besetzung durch Nazi-Deutschland umsetzten.

Der Bericht schlussfolgert, dass die Verwaltungskommission durch die systematische Identifizierung und Auflistung aller Juden in Luxemburg eine Mitschuld an der Judenverfolgung trägt.

Die Studie basiert auf der Analyse von Dokumenten aus nationalen und internationalen Archiven sowie aus den Privatarchiven von Michel Weis, Luxemburger Polizeikommandant von 1931 bis 1940. Ausgangsbasis für den sogenannte „Artuso-Bericht“ waren u.a. die Arbeiten der Historiker Paul Cerf, Paul Dostert, Marc Gloden, Marc Schoentgen und Henri Wehenkel sowie die von Vincent Artuso verfasste Doktorarbeit zum Thema „Luxemburger Kollaboration im Zweiten Weltkrieg“. Während seiner Recherchen war er auf Quellen gestoßen, die auf die Existenz historischer Listen mit Namen jüdischer Flüchtlinge und jüdischer Kinder aus Luxemburger Grundschulen hinwiesen. Die Listen wurden später von dem Historiker Denis Scuto veröffentlicht.

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Siehe auch: Le rapport Artuso sera discuté à la Chambre en avril ou en mai

Foto: Vincent Artuso, © Université du Luxembourg - Michel Brumat