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Social Engineering: Passwort im Tausch gegen Schokolade

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Veröffentlicht am Mittwoch, den 04. Mai 2016

Für Computerhacker ist es sehr aufwendig, einen Trojaner zu programmieren und in die Rechner von Privatpersonen und Unternehmen einzudringen. Sie greifen daher zunehmend auf psychologische Strategien zurück, um Computernutzer so zu manipulieren, dass sie freiwillig ihre Zugangsdaten preisgeben. Die Methoden sind als „Social Engineering“ bekannt.

Ein wirksames Manipulationsmittel…

Zum ersten Mal haben Psychologen der Universität Luxemburg in einer großangelegten Studie mit 1208 Teilnehmern untersucht, wie Menschen bereits mit kleinen Gefälligkeiten dazu gebracht werden können, ihre Passwörter mit ihnen vollkommen unbekannten Personen teilen.

„Das Ziel beim Social Engineering ist das schwächste Glied in der Kette und das ist der Nutzer“, erklärt Dr. André Melzer, Mitautor der in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift „Computers in Human Behavior“ erschienen Studie „Trick with treat - Reciprocity increases the willingness to communicate personal data“. „Konkret haben wir das psychologische Prinzip der Reziprozität untersucht. Wenn uns jemand etwas Gutes tut, fühlen wir uns dadurch automatisch unter Druck gesetzt, weil wir ihm den Gefallen zurückgeben wollen. Dieses Prinzip gilt überall auf der Welt und ist für unser Zusammenleben wichtig. Allerdings kann dieser innere Druck auch gezielt ausgenutzt werden, um bestimmte Ziele zu erreichen, so auch die Herausgabe eines Passworts.“

… und ein einfacher Anreiz

In dem Versuch stellten die Wissenschaftler zufällig ausgewählten Passanten Fragen zu deren Umgang mit Computersicherheit und baten sie dabei auch, ihr Passwort anzugeben. Dabei trugen die Interviewer Taschen der Universität Luxemburg, waren den Teilnehmern aber ansonsten unbekannt.

Dem einem Teil der Probanden schenkten die Wissenschaftler Schokolade, bevor sie nach dem Passwort fragten, dem anderen erst nach dem Interview, also ohne Einfluss auf deren Antworten. Die Auswertung ergab, dass dieses an sich unbedeutende Geschenk die Wahrscheinlichkeit signifikant erhöhte, dass die Teilnehmer ihr Passwort verrieten. Wurde die Schokolade erst ganz am Ende gegeben, gaben 29,8 Prozent der Teilnehmer ihr Passwort preis. Erhielten sie die Schokolade jedoch bereits vorher, waren dazu insgesamt 43,5 Prozent der Befragten bereit. Noch einmal steigern ließ sich die Bereitschaft der Preisgabe des Passwortes, wenn die Schokolade unmittelbar vor der Frage nach dem Passwort überreicht wurde: Hier scheint der innere Druck der Empfänger besonders hoch zu sein, so dass 47,9 Prozent ihr Passwort nannten– verglichen mit den 39,9 Prozent der Teilnehmer, die ihr Geschenk bereits zu Beginn des Interviews erhalten hatten.

Die Studie zeigt, wie leicht sich viele Menschen mit Hilfe von einfachen Anreizen und dem Mechanismus der Reziprozität manipulieren lassen. „Dabei war diese simulierte Attacke keineswegs eine ausgefeilte kriminelle Strategie. Aber während die Folgen solcher Angriffe für Individuen oder Firmen schwerwiegend sein können, fehlt bei Vielen das Bewusstsein für solche Gefahren“, schlussfolgert Melzer.

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Die Studie wurde unterstützt und finanziert vom luxemburgischen Ministerium für Wirtschaft und der Initiative „Security made in Lëtzebuerg“.