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Länderspezifische COVID-19-Inzidenzen - Eine verzerrte Perspektive

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Veröffentlicht am Mittwoch, den 28. April 2021

 Inzidenzwerte - die Anzahl neuer COVID-19-Fälle innerhalb eines bestimmten Zeitraums - werden derzeit häufig als Indikator für die Definition von Hochrisikogebieten verwendet. 

Die beobachteten Unterschiede zwischen benachbarten Ländern und Regionen in Europa werden jedoch stark durch unterschiedliche Teststrategien beeinflusst. Ein Artikel, der am 23. April in The Lancet Regional Health - Europe veröffentlicht wurde, unterstreicht die Notwendigkeit kohärenter Daten und eines differenzierteren Ansatzes, um aussagekräftige Vergleiche zwischen Ländern zu ermöglichen. Der Artikel, der in Zusammenarbeit von Prof. Paul Wilmes, Sprecher der Research Luxembourg COVID-19-Taskforce, Dr. Joël Mossong und Dr. Thomas Dentzer von der luxemburgischen Gesundheitsbehörde verfasst wurde, fasst auch einige der derzeit verfügbaren Zahlen für Luxemburg und die umliegenden europäischen Länder zusammen.

Seit Beginn der Pandemie hat Luxemburg eine breit angelegte Teststrategie verfolgt, die eine Massentestung der Bevölkerung und eine systematische Kontaktverfolgung umfasst: Im Durchschnitt wurde jeder Einwohner mindestens 3,6-mal getestet. "Die Gesamtpositivitätsrate des Landes - der Prozentsatz aller durchgeführten Tests, die tatsächlich positiv sind - ist mit 2,6 % vergleichsweise niedrig geblieben", erläutert Dr. Joël Mossong, Epidemiologe bei der luxemburgischen Gesundheitsbehörde. "Währenddessen variieren die Raten in anderen europäischen Ländern, zwischen 5,6 % im benachbarten Deutschland und 17 % in den Niederlanden, wo die Deckung der Tests relativ gering ist."

Zusätzlich zu den großangelegten Tests führt Luxemburg seit letztem November wöchentlich eine repräsentative serologische Stichprobe unter seinen Einwohnern durch. Die Daten bis zum 15. Januar 2021 zeigen eine Seroprävalenz von 7,7 %, was bei Hochrechnung auf die Gesamtbevölkerung 48.264 erwarteten Fällen entspricht. "Verglichen mit den 48.630 Fällen, die bis zu diesem Datum erfasst wurden, deutet dies darauf hin, dass die Fallerkennung in Luxemburg sehr hoch ist und nur etwa 0,8 % der Fälle unentdeckt geblieben sind", erklärt Dr. Thomas Dentzer, Chief Strategy Officer bei der luxemburgischen Gesundheitsbehörde. Während diese Art von Informationen für die meisten Länder fehlen, deuten ähnliche Daten aus Belgien darauf hin, dass dort im Gegensatz 62,3 % der Fälle unentdeckt geblieben sein könnten.

Insgesamt verdeutlichen diese Zahlen, dass die länderspezifischen COVID-19-Inzidenzwerte möglicherweise eher die unterschiedlichen Fallerfassungsraten widerspiegeln als die tatsächlichen epidemiologischen Risiken für eine Infektion mit SARS-CoV-2. Durch die mit unterschiedlichen Teststrategien verbundenen Verzerrungen und zur Berücksichtigung der Unterschiede in der Deckung der Tests würde ein nuancierterer Ansatz, der nicht nur auf den Inzidenzraten basiert, helfen, Länder und Regionen mit hohem Risiko genauer zu definieren. "Positivitätsraten, die Belegung von Krankenhäusern und Intensivstationen sowie Daten zur Seroprävalenz sollten in umfassendere Risikobewertungen einfließen", betont Prof. Paul Wilmes von der Universität Luxemburg. Auch die Auswirkungen unterschiedlicher Impfstrategien und die Häufigkeiten neuer Virusvarianten müssen berücksichtigt werden. "Die Verfügbarkeit kohärenter Daten verschiedener Länder, die in einer gut koordinierten, europaweiten Weise gesammelt und ausgetauscht werden, wird von grundlegender Bedeutung sein, um sinnvolle Vergleiche in den kommenden Wochen und Monaten zu ermöglichen", schlussfolgert Prof. Wilmes.

Pressemitteilung der Universität Luxemburg und dem luxemburgischen Gesundheitsministerium.
Referenz: Paul Wilmes, Joël Mossong, Thomas G. Dentzer, Generalisation of COVID-19 incidences provides a biased view of the actual epidemiological situation, The Lancet Regional Health - Europe, Volume 5, 2021.

 

© Photo: Science Relations