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Tiefe Hirnstimulation Luxemburg

Zentrum für Tiefe Hirnstimulation Luxemburg (LuxSTIM)

Am Zentrum für Tiefe Hirnstimulation Luxemburg werden Patienten mit Bewegungsstörungen wie der Parkinson-Krankheit, verschiedenen Zitter-Krankheiten (Essentieller Tremor und seltene Tremor Krankheiten) oder einer Dystonie (bei Erwachsenen oder Kindern)  diagnostiziert und behandelt. Ziel ist es, für unsere Patienten eine genaue Diagnose und optimale individuelle Therapie zu ermöglichen. Dabei kann die Tiefe Hirnstimulation selbst dann eine gute Symptombesserung erreichen, wenn Medikamente nicht mehr ausreichend helfen.

Angebotene Zeiten und Kontakt

Dr. Frank Hertel

Leiter Neurochirurgie

Dr. Jan Koy

Neurochirurgie

Prof. Dr. Rejko Krüger

Kompetenzzentrum Neurodegeneration

Die Sprechstunden finden an folgenden Tagen statt: montags, donnerstags, freitags

Neurochirurgie: Dr. F. Hertel, Dr J. Koy

Terminvereinbarung unter Tel. 00352-4411-2175

Neurologie, Prof. Dr. R. Krüger, mittwochs

Neuropsychologe, Géraldine Hipp, mittwochs.

Terminvereinbarung unter Tel. 00352-4411-6627

 

Folgende Informationen bitten wir Sie zur ersten Vorstellung mitzubringen:vorherige auswärtige Arztbriefe sofern vorhanden, MRT/CT-Bilder des Kopfes falls vorhanden.

Diagnostik

Bewegungsstörungen wie die Parkinson-Krankheit, Zittern oder Dystonie sprechen vor allem in späteren Krankheitsstadien nur eingeschränkt auf gängige Medikamente an. In diesen Fällen kann die Lebensqualität zum Teil stark eingeschränkt sein. Bei der Dystonie können  auch bereits Kinder in frühem Lebensalter betroffen sein. Eine Therapie mittels Tiefer Hirnstimulation kann Linderungen bringen, wenn bei der Parkinson-Krankheit Wirkungsschwankungen durch Medikamente nicht stabilisiert werden können oder das Zittern bzw. schmerzhafte Muskelverkrampfungen nicht auf Tabletten ansprechen. Die Tiefe Hirnstimulation kann in seltenen Fällen auch bei bestimmten Formen von psychiatrischen Erkrankungen (schwere Zwangserkrankungen), bei Epilepsie oder bei verschiedenen Schmerzsyndromen (z.B Clusterkopfschmerz) indiziert sein.

Die Ambulanz des Zentrums für Tiefe Hirnstimulation (LuxSTIM) nimmt in einem unverbindlichen Erstgespräch und –Untersuchung eine diagnostische Einordnung und therapeutische Beratung vor. Dies ist bedeutend, da bestimmte Formen der Parkinson-Krankheit, des Zitterns und der Dystonie besonders zuverlässig auf eine Therapie mit Hirnschrittmacher ansprechen.

Sofern die Diagnose und die Beschwerden eine Besserung mittels Tiefer Hirnstimulation versprechen, kann eine geplante stationäre Aufnahme erfolgen. Hier werden umfangreiche Voruntersuchungen zur Planung der Tiefen Hirnstimulation durchgeführt. In das Behandlungsteam eingebunden sind die Kollegen der Neurochirurgischen Klinik (Dr. Hertel und Kollegen), der Neurologie (Prof. Dr. Krüger) sowie der Psychiatrischen Klinik. Das Team der Neuropädiatrie (Dr Emanuel Scalais) und der Schmerztherapie (Dr Dagmar Boeker) spielen auch eine wichtige Rolle im gesamten Behandlungsprozess.

Nach ausführlicher Diagnostik und Beratung der behandelnden Kollegen in der „Interdisziplinären Indikationskonferenz zur Tiefen Hirnstimulation“ teilen wir den Patienten eine abschließende Therapieempfehlung persönlich mit.

Therapie

Die Tiefe Hirnstimulation ist eine bedeutende Erweiterung der Behandlungsmöglichkeiten über die klassische medikamentöse Therapie von Bewegungsstörungen hinaus. Besonders wenn Medikamente die motorischen Symptome nicht (mehr) ausreichend lindern, verspricht der Hirnschrittmacher eine deutliche Besserung der Lebensqualität.

Dies wurde kürzlich am Beispiel der Parkinson-Krankheit in einer großen deutsch-französischen multizentrischen Studie (EarlyStim) auf für frühe Krankheitsstadien belegt: die Tiefe Hirnstimulation erbrachte im Vergleich zur rein medikamentösen Therapie einen deutlichen Gewinn an Lebensqualität durch verbesserte motorische Symptomkontrolle.

Dabei wurde erstmals gezeigt, dass die Tiefe Hirnstimulation bereits bei beginnenden Schwankungen der Medikamentenwirkung Vorteile für den Patienten erbringen kann.  Die Patienten in der EarlyStim-Studie waren erst seit durchschnittlich sieben Jahren an Parkinson erkrankt.

Nach länger dauernder Parkinson-Krankheit hingegen rücken nicht selten Gangstörungen in den Vordergrund, die auf gängige Therapien nicht immer ausreichend ansprechen. Einschränkungen der Mobilität und Sturzgefahr können die Folge sein. Hierbei hat das Tübinger Team der Ambulanz für Tiefe Hirnstimulation unter Leitung von Prof. Krüger eine neue Form der Tiefen Hirnstimulation entwickelt, die die gleichzeitige Stimulation zweier eng benachbarter Nervenzellstrukturen vorsieht. Durch diese gleichzeitige Stimulation, die sogenannte STN+SNr Stimulation, lässt sich anderweitig refraktäres Gangfreezing möglicherweise besser behandeln als bishe.  Eine weitere große Therapiestudie zur Bestätigung dieses Therapieeffektes wird derzeit an verschiedenen Zentren vorbereitet und auch in Luxembourg initiiert.

Neurochirurgische Prozedur

Fig. 1 Planung der Trajektorie für die tiefe Hirnstimulation des linken STNs

Fig.2 Rahmenlose Implantation einer DBS Elektrode mittels computergestützter Navigation

Ähnlich wie ein Herzschrittmacher, werden bei der Tiefen Hirnstimulation ein oder zwei implantierbare medizinische Geräte (Neuro-stimulatoren) chirurgisch implantiert. Diese können elektrische Impulse zu gezielten Hirnregionen auf beiden Seiten leiten.

Während der Operation wird der Kopf des Patienten in einem stereotaktischen Ring still gehalten und gestützt. Mit besonders fortgeschrittenen Bildgebungsverfahren wie z.B. Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) kann das Gehirn abgebildet und eine gezielte Stimulationsregion abgegrenzt werden. In der Parkinson-krankheit werden typischerweise zwei Hirnregionen zur Behandlung ausgewählt, diese sind der subthalamische Nucleus (STN) oder der innere Globus pallidus (GPi).

Nachdem die dünne Elektrode implantiert ist, werden Anschlüsse an einem implantierbaren Impuls-Generator (IPG) angeschlossen werden. Dieser kontrolliert die Verteilung der Neuro-Stimulation und wird unter der Haut unter dem Schlüsselbein eingesetzt. Der IPG kann einfach ein- und ausgeschaltet werden und man kann die Stimulation durch einen Handgerät kontrollieren. Die Simulation blockiert die Signale, die die Motorsymptome hervorbringen und kann so eine bessere Bewegungskontrolle hervorbringen.

Die Hirnstimulation beschädigt das Hirngewebe nicht, sie verändert die ungeregelte Aktivität von Nervenzellen in der stimulierten Hirnregion und verbessert so die Funktion. Da diese Therapie sehr individuell ist, erfordert die Tiefe Hirnstimulation in der Regel einige Tage (Parkinson-Krankheit) bis Wochen (Dystonie), bis die Wirkungen optimiert sind.