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Thema International Finance

 

 

Forschungsbeitrag zur Entwicklung des Finanzplatzes Luxemburg

Die Luxembourg School of Finance (LSF) kombiniert als Teil der Fakultät für Rechts-, Wirtschafts- und Finanzwissenschaften der Universität Luxemburg theoretische Forschung mit umfassenden empirischen Erhebungen. Hypothesen werden auf diesem Wege auf ihre Praxistauglichkeit geprüft; anhand der jüngsten Finanzkrise werden z.B. Erklärungsansätze mit Blick auf das Phänomen Finanzkrise als Ganzes abgeleitet.

Ziel: Den Finanzmarkt von allen Seiten untersuchen

Im Mittelpunkt der aktuellen Forschungstätigkeit der LSF steht das Thema Kapitalverteilung. Dabei wird sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite untersucht, wie Direktor Prof. Christian Wolff erläutert: „Kapital fließt ja von vielen Seiten in den Finanzkreislauf: von Haushalten, die hierzu Banken oder die Finanzmärkte nutzen, von institutionellen Anlegern wie Rentenfonds und von alternativen Investoren wie Hedgefonds. Auf der Nachfrageseite wiederum finden sich in erster Linie private Haushalte oder Firmen, die ihre Aktivitäten finanzieren wollen. Unsere Forscher untersuchen das Verhalten der immer komplexer werdenden Finanzmärkte. Dabei stehen Risiken und deren Absicherung im Mittelpunkt, aber auch das Verhalten von institutionellen und privaten Anlegern.“

Ebenfalls beleuchtet werden die Auswirkungen von Regulierungsmaßnahmen und Gesetzgebungen auf die Märkte, und auch das Verhalten von Finanzagenten stand bereits im Mittelpunkt einer Untersuchung. Darüber hinaus hat sich die LSF eine spezifische Expertise in Sachen alternative Anlageformen wie Immobilien, Kunst und Venture Capital angeeignet. Die Forschungstätigkeit der LSF deckt somit ein weites Feld ab und reicht von einer rein akademischen Herangehensweise bis hin zu Forschungskooperationen mit der Privatwirtschaft. Christian Wolff dazu: „Eines unserer Ziele ist die Schaffung langfristiger Forschungspartnerschaften, vor allem mit den Akteuren am hiesigen Finanzplatz.“

Klare Mission: Ausbildung qualifizierter Finanzexperten

Neben Forschung ist die Ausbildung von Finanzexperten das zweite strategische Standbein der LSF. Seit 2002 haben mehrere hundert Studierende den „Renommierstudiengang“, das Masterprogramm in „Banking and Finance“ absolviert, zu dem sich vor einiger Zeit ein weiteres Masterprogramm in Wealth Management und ein Executive Program in Wealth Management gesellt hat. Darüber finden Doktoranden hier ein Umfeld vor, das auch höchsten akademischen Ansprüchen genügt. Mit einem klaren Ziel, wie Christian Wolff unterstreicht: „Unsere Mission ist es, qualifizierte und verantwortungsvolle Finanzexperten ausbilden, die Finanzwelt um neues Wissen bereichern und so zu einer nachhaltigen Entwicklung des Finanzplatzes Luxemburg beitragen.“ 

 

Weltweit anerkannter Experte für Investitionen aus Leidenschaft

Roman Kräussl

Ob Kunst, Wein, edle Uhren oder Oldtimer: Sammlerstücke können Zukunftsinvestitionen sein. Professor Roman Kräussl von der Luxembourg School of Finance (LSF) ist auf diese alternativen Anlageformen spezialisiert.

Passion, Emotion: Diese Worte verwendet Roman Kräussl häufig; sie sind sogar Teil seines Berufs. Das mag verwundern, zumindest wenn man weiß, dass Roman Kräussl – nach vielen Jahren in Amsterdam – seit zwei Jahren als Professor an der Luxembourg School of Finance lehrt und forscht.

Des Rätsels Lösung: sein Fachgebiet sind alternative Anlageformen, also „schöne“ Dinge, die begeistern. Kein Wunder, dass er auch hier und da von Liebe spricht oder gar den Erwerb eines Bildes mit einer Beziehung vergleicht. Die goldene Regel bei der Investition in ein Kunstwerk laute: „Buy what you like“, wobei dies rationale Kriterien freilich nicht ausschließe: „Beim emotionalen Aspekt geht es um den wahren, den tieferen Wert des Kunstwerks. Man muss es dauerhaft mögen. Daneben gibt es, wie auch bei Rotwein und Oldtimern, sehr wohl rationale Möglichkeiten der Wertbestimmung.“

Wirtschaftswissenschaftler und Psychologe

Zu diesen Möglichkeiten zählen am Kunstmarkt die so genannten hedonischen Kunstpreisindizes, die Roman Kräussl basierend auf über 4,6 Millionen weltweiten Auktionsergebnissen der letzten 100 Jahre entwickelt. Jedoch ändern auch solche Datenbanken und daraus generierbare Erfahrungswerte nichts daran, dass alternativen Anlageformen weitaus weniger zuverlässig zu evaluieren sind als z.B. Aktien – was eben auch an besagter emotionaler Komponente liegt. Da passt es, das der LSF-Professor sich nach der volkswirtschaftlichen Ausbildung auch auf den Bereich der Behavioral Finance fokussiert hat: „Dem Verhalten von Anlegern galt von Anfang an mein akademisches Interesse. In Verbindung mit meiner eigenen Passion für Kunst hat sich daraus mein heutiges Fachgebiet ergeben – das sich dann schrittweise um Kulturgüter im weiteren Sinne sowie um andere alternative Anlageformen wie Wein erweitert hat.“

Thematische Grenzen überwinden

Auf seinem Fachgebiet ist Roman Kräussl ein weltweit anerkannter Experte, der in den führenden wissenschaftlichen Publikationen, wie etwa dem Review of Financial Studies, regelmäßig veröffentlicht. Ebenso ist er häufig auf Konferenzen rund um den Globus sowie in führenden Medien wie etwa dem deutschsprachigen Manager Magazin präsent – oder anders gesagt: er überwindet Grenzen zwischen Wissenschaft und Publikum, Kunst und Wirtschaft. Grenzen überwinden, Brücken bauen, gehört auch im LSF-Hörsaal zu seinen Aufgaben, wie er selbst sagt: „Wenn ich vor angehenden Wealth Managern doziere, muss ich viele der Studenten erst einmal abholen und ihnen näher bringen, was Worte wie Leidenschaft und Emotion in einem finanzwissenschaftlichen Studiengang verloren haben. In der Regel weicht die anfängliche Skepsis aber auch hier schnell einer gewissen Begeisterung.“

 

Luxemburger Forscher entwickeln ein Frühwarnsystem für den Kunstmarkt

Roman Kräussl

Nicht nur bei Aktien und Immobilien können Preise explodieren, sondern auch am Kunstmarkt. An der Luxembourg School of Finance (LSF) wird das Phänomen nachhaltig erforscht.

Immobilienblasen und Blasen am Aktienmarkt sind fast schon eine Normalität. Aber am Kunstmarkt? „Am Kunstmarkt kursieren große Summen. Bei Christie’s in New York wurden an einem Abend für  Francis Bacon’s Triptychon "Three Studies of Lucian Freud" 142 Millionen Dollar und für Jeff Koons’ "Balloon Dog (Orange)" 58 Millionen Dollar erzielt“, so Professor Roman Kräussl von der LSF. Den generellen Tatbestand einer Spekulationsblase sieht er damit erfüllt, denn, so der Spezialist für alternative Anlageformen: „Von Spekulationsblasen spricht man, wenn die Preise von Vermögenswerten bei starkem Umsatz weit über ihrem Fundamentalwert liegen.“

Analyse von vier Segmenten

Was den Kunstmarkt besonders macht, sind die wenigen objektiven Kriterien und – daraus resultierend – die nicht vorhandene Grundlage für die Berechnung des besagten Fundamentalwertes. Um den sehr vagen Herangehensweisen entgegen zu wirken, hat Roman Kräussl mit Kollegen eine neue Methode entwickelt, die eine Explosion der Preise früh erkennen kann. Basierend auf Informationen der von ihm mit gestalteten, rund 4,6 Millionen Kunstwerke umfassenden Datenbank Blouin Art Sales Index (BASI) hat er mit Kollegen sechs individuelle Kunstindizes konstruiert: „Die Indizes teilen Kunst in die Segmente „Impressionist and Modern“, „Post-war and Contemporary“, „19th Century European“, „Old Masters“, „American“, und „Latin American“ ein. Wir versuchen Spekulationsblasen je Segment frühzeitig zu erkennen.“

Blasen-Gefahr steigt wieder

So gab es laut Roman Kräussl in den Segmenten „Impressionist and Modern“ sowie „Post-war and Contemporary“ zwischen 1986 – 1991 jeweils eine Blase. Beides sei kein Zufall gewesen: „Ab 1986 führte die Wirtschaftsblase in Japan zu Spekulationen im Kunstmarkt. Investoren hatten Zugang zu Krediten, weil sie von explodierenden Immobilienpreisen profitierten. Sie investierten massiv in Kunst – bis dann die Wirtschaft 1990 einbrach.“ Im „American“ Marktsegment gab vor der Finanzkrise 2008 eine Blase, so Roman Kräussl weiter, und auch bleibe es spannend: „In den Segmenten „American“ sowie bei „Post-war and Contemporary” mehren sich seit 2012 erneut entsprechende Anzeichen.“