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Ein Universitätslehrstuhl für Stadterneuerung für Esch-sur-Alzette

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Veröffentlicht am Montag, den 25. Januar 2021

Der renommierte Architekt und Stadtplanungsforscher Prof. Markus Miessen wurde zum Lehrstuhlinhaber des Chair in Urban Regeneration (Lehrstuhl für Stadternerung) zwischen der Universität Luxemburg und der Stadt Esch-sur-Alzette ernannt. Der Lehrstuhl widmet sich der Stadtplanung und Stadterneuerung von Esch-sur-Alzette.

Der Chair in Urban Regeneration ist nur in seiner Ausrichtung neu, da die Universität und die Gemeinde der Neuausrichtung des 2013 eingeführten Chair in Social Business and Social Management zugestimmt haben. Beide Parteien besiegelten die Neuausrichtung des Lehrstuhls und die Einstellung von Prof. Dr. Miessen durch einen Nachtrag zur ursprünglichen Vereinbarung.

Der Lehrstuhl wird Forschungs- und Lehraktivitäten in den Bereichen Stadtplanung und Architektur einrichten, die Fragen von regionalem und grenzüberschreitendem Interesse in Bezug auf den öffentlichen Raum, die Mobilität oder die sozioökonomische Dynamik des Lebensraums priorisiert werden.

Stadterneuerung und das Minett

Miessen schlägt ein Verständnis der Stadterneuerung vor, das sich um verschiedene Formate der „Partizipation“ als eine Praxis ohne Mandat dreht, die vielseitige Praktiken der proaktiven Beteiligung initiiert. Für Miessen ist die Stadterneuerung tief im sozialen Bereich verwurzelt. Kein Architekt, Planer oder Stadtbehörde kann jemals durch rein physische Veränderungen ein städtisches Gleichgewicht herstellen. Insbesondere in Regionen des Strukturwandels sollte die räumliche Regeneration ein Prozess sorgfältig überlegter Versuche sein, die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Variablen eines Gebiets gemeinsam zu überdenken.

„Bei der Regeneration geht es darum, wie wir ermutigt werden, miteinander zu interagieren. Eine nachhaltige Regeneration erfordert daher eine gleichberechtigte Kommunikation unter Einbeziehung verschiedener Interessensgruppen“, erklärt Markus Miessen. „Um das Planungssystem auf eine belastbare und integrative Infrastruktur umzustellen, sollten Planer der Öffentlichkeit unter Berücksichtigung ihrer lokalen und regionalen Wahlkreise dienen. In Zeiten der digitalen Transformation und COVID-19 scheint dies mehr denn je zuzutreffen. Eine wichtige Frage ist heute: Wie muss sich die Rolle des Planers ändern, um den aktuellen Herausforderungen der Zivilgesellschaft und des Stadtmanagements begegnen zu können?“

Die südliche Region Minett mit ihrer vielfältigen Geschichte ist der perfekte Kandidat für Forschungs- und Öffentlichkeitsarbeit zur Stadterneuerung. Das Minett befindet sich mitten in einer postindustriellen Umstellung mit Projekten wie „Lentilles Rouges“, dem Gebiet Esch-Schifflange und der Entwicklung von Belval. Diese Projekte erfordern langfristige Szenarien und eine Strategie, um eine ordnungsgemäße Umsetzung in ihrem lokalen und regionalen Kontext sicherzustellen. Hier kommen der Fachbereich Geographie und Raumplanung der Universität und der Master of Architecture ins Spiel. Die Experten stellen analytisches und prospektives Fachwissen zur Verfügung.

Umfassendes Fachwissen für den Lehrstuhl

Mit den qualifizierten Ressourcen der Universität in den Bereichen Geographie, Stadtplanung und Architektur schließt Prof. Miessen den Kreis, indem er Fachwissen in integrativer Stadtplanung einbringt. Seine zentrale Kompetenz liegt in der Fähigkeit zu kuratieren, zu moderieren und zusammenzuarbeiten. Über Partizipationsmodelle als Form integrativer Praxis hinaus fördert er die Rolle des „nicht investierten Außenseiters“. Unter Partizipation wird hier die Formulierung präziser Einstiegspunkte in bestehende lokale und regionale Diskurse unter dem Gesichtspunkt der kritischen Planung verstanden, wobei Verantwortung über hierarchische Gestaltungspraktiken hinaus übernommen wird.

Der Lehrstuhl wird Forschungsprojekte unterstützen, die Modelle des rein wirtschaftlichen Wachstums für eine integrativere Kultur der Zivilgesellschaft, Lebensqualität und nachhaltige Zukunft hinterfragen. Miessens Forschung legt nahe, dass eine Situation von Grund auf in Bezug auf die Planung ein Mythos ist und es an Forschern und Stadtplanern liegt, diesen Mythos zu dekolonisieren. Es gibt immer bereits eine Narrative, die erkannt werden muss damit Stadtplaner um sie herum arbeiten können.

„Seit sich die Universität Luxemburg auf dem Belval Campus niedergelassen hat, wirkt sie als Vermittlerin des positiven sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Wandels in der Region. Die Neuausrichtung des Lehrstuhls ist ein perfektes Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen der Universität und der Stadt Esch-sur-Alzette“, erklärt Prof. Stéphane Pallage, Rektor der Universität. „Wir sind besonders daran interessiert, unseren Campus zu einer echten und lebendigen Nachbarschaft zu machen. Wir begrüßen Prof. Miessen und freuen uns auf die Dynamik, die er in die Reflexion und Aktivität in diesem Bereich einbringen wird.“

George Mischo, Bürgermeister von Esch-sur-Alzette, fügt hinzu: „Mit der Unterzeichnung dieses Lehrstuhls und der Zusammenarbeit mit der Universität Luxemburg erwarten wir für unsere Stadt neue Erkenntnisse in Bezug auf Stadterneuerung und Stadtplanung, insbesondere im Hinblick auf unsere größten Urbanisierungsprojekte 'Rout Lëns' und 'Esch-Schifflange'. Außerdem begrüßen wir den inklusiven Ansatz des neuen Lehrstuhlinhabers, mit vielen Akteuren zusammenzuarbeiten, da wir diesen Ansatz in zahlreichen vergangenen Projekten der Stadt geteilt haben, was vor allem für unsere Bewohner von Vorteil war.“

Über Markus Miessen

Markus Miessens Arbeit dreht sich um Fragen der kritischen Raumpraxis, des Aufbaus von Institutionen und der Raumpolitik. Bevor er der Universität Luxemburg beitrat, unterrichtete er an der Architectural Association in London, an der Städelschule in Frankfurt, an der University of Southern California in Los Angeles und an der Academy of Design / Universität Göteborg. Er war auch ein Harvard Fellow und verfasste „The Nightmare of Participation” und “Crossbenching: Towards Participation as Critical Spatial Practice”. Er promovierte 2017 am Centre for Research Architecture in Goldsmiths, London

© Photo: Christian Werner