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Studie zur Krankheit Parkinson erhält zusätzliche Mittel

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Veröffentlicht am Freitag, den 19. Juli 2019

Der Luxembourg National Research Fund (FNR) hat einen zusätzlichen Finanzrahmen von 6 Mio. € über einen Zeitraum von vier Jahren für das National Centre of Excellence for Parkinson's Disease Research (NCER-PD) genehmigt und ebnet damit den Weg für die zweite Phase dieses Forschungsprogramms.

Das NCER-PD wurde 2015 als erstes interinstitutionelles Forschungsprogramm dieser Art in Luxemburg eingerichtet Es ist eine gemeinsame Initiative von fünf Partnern*, die ihre Expertise zur Erforschung der Parkinson-Krankheit vereinen. In den ersten vier Jahren hat der FNR 8,3 Millionen Euro für dieses Forschungsprogramm bereitgestellt. Das Programm wurde von einer international besetzten Jury mit hervorragenden Noten bewertet und ebnet damit den Weg für die zweite Phase, die bis Mai 2023 dauern wird.

NCER-PD zielt darauf ab, den Mechanismus der Parkinson-Krankheit besser zu verstehen, um eine frühere Diagnose und eine bessere Behandlung für Betroffene zu ermöglichen.

Marc Schiltz, Generalsekretär des FNR, erklärt: „NCER-PD ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie die luxemburgische Forschung internationale Sichtbarkeit erreichen und gleichzeitig direkte Auswirkungen auf das Gesundheitswesen haben kann, indem sie Patienten, Forscher und medizinische Fachkräfte zusammenbringt.“

Eine groß angelegte und einzigartige Studie

Die Luxemburger Parkinson-Studie hat sich ein beeindruckendes Ziel gesetzt: Sie will 800 Patienten, also fast alle der rund 1000 Parkinson-Kranken in Luxemburg, sowie eine identisch strukturierte, homogene Kontrollgruppe mit 800 Probanden ohne Parkinson-Krankheit in die Studie integrieren. Bis Juli 2019 hatten bereits rund 1400 Personen an der Studie teilgenommen.

Die Rekrutierung der fehlenden 100 Teilnehmer pro Gruppe ist noch im Gange.

Dazu sind sowohl Patienten jeden Alters als auch gesunde Männer über 65 Jahre eingeladen.

Die Luxembourg Parkinson's Disease Study gehört nach nur vier Jahren bereits zu den größten Parkinson-Kohorten weltweit. Was die Luxemburger Kohorte jedoch einzigartig macht: Alle Patienten werden jährlich überwacht, was den Forschern beispiellose Informationen über den Verlauf der Krankheit liefert.

Die ersten Forschungsprojekte im Rahmen von NCER-PD zeigen Unterschiede in der molekularen Zusammensetzung des Blutes sowie in der Komposition und Rolle der mikrobiellen Gemeinschaft im Darm zwischen Parkinson-Kranken und anderen Teilnehmern. In einem nächsten Schritt werden diese vielversprechenden ersten Ergebnisse für den möglichen klinischen Einsatz als diagnostische Biomarker ausgewertet.

Förderung des Einbezugs von Patienten

NCER-PD ist bestrebt, Patienten schon jetzt Feedback der Studie zugute zu kommen lassen. „Durch Informationskampagnen und die enge Zusammenarbeit mit Patientenverbänden haben wir Patienten, aber auch die Öffentlichkeit über die Krankheit, die Behandlungsmöglichkeiten und den aktuellen Forschungsstand informiert. Dies spielt eine Schlüsselrolle bei der Reduzierung der Stigmatisierung von Menschen mit dieser chronischen Krankheit", sagt Prof. Rejko Krüger, Koordinator des NCER-PD.

NCER-PD arbeitet aktiv mit Krankenhäusern, Patientenvereinigungen, Ärzten und weiteren Gesundheitsdienstleistern in Luxemburg und der Großregion zusammen. Mit der Gründung von ParkinsonNet, einem integrierten Betreuungsprogramm nach niederländischem Vorbild, kommen nun auch multidisziplinäre Teams zum Nutzen der Patienten zum Einsatz. In der Hoffnung, dass dieses Konzept bald auf andere Krankheiten in Luxemburg übertragen werden kann, sagt Rejko Krüger: „Die positive Entwicklung von NCER-PD ist eine große Chance, da Luxemburg als Testfeld für die Medizin der Zukunft, für neuartige und personalisierte Therapien dienen kann.“

„Die Krankheit hat mein Leben verändert“, sagt die Studienteilnehmerin Corinne Trivaudey. „Aber es war eine Erleichterung, eine Diagnose vom Neurologen zu erhalten, da ich endlich ich wusste, woran ich litt. Medikamente behandeln nur fünfzig Prozent der Auswirkungen der Krankheit. Ich lindere einige Symptome durch körperliche Aktivität. Ich hoffe, dass die Studie genügend Patienten und Freiwillige rekrutieren kann um weiterzumachen.“

„Ich schließe mich diesem Aufruf an. Wir müssen diese Krankheit gemeinsam überwinden, nicht verstecken“, sagt Gérard Zoller, Mitglied des Rotary Clubs und Freiwilliger in der Kontrollgruppe. „Die Tests für Freiwillige sind nicht schmerzhaft oder zu invasiv, und es ist eine sinnvoll verbrachte Zeit. Zögern Sie nicht, sich freiwillig zu melden oder die Aufmerksamkeit Ihrer Mitmenschen darauf zu lenken.“

Fokus auf Einteilung in Untergruppen und Therapien in der zweiten Phase

Die zweite Förderperiode wird auf den bisherigen Schlussfolgerungen und den erzielten wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen und die folgenden Entwicklungen umfassen:

  • Es wird sich auf eine weitere Stratifizierung der Kohorte konzentrieren. Die Patienten werden weiterhin jährlich überwacht.
  • NCER-PD wird eine Unterkohorte auf Basis genetischer Kriterien schaffen. Patienten mit Mutationen in einem Gen namens GBA haben ein höheres Sturzrisiko als andere Patienten. Sie werden spezifische Tests und personalisierte klinische Studien mit aus ihren Hautproben gewonnenen Stammzellen durchlaufen.
  • NCER-PD wird eine Risiko-Kohorte von Menschen mit REM-Schlafstörungen ermitteln. Eine große Anzahl von Menschen mit diesem Problem entwickelt die Parkinson-Krankheit. Die Forscher hoffen daher, dass eine genaue Überwachung dieser Gruppe Erkenntnisse über den Beginn der Krankheit und ihrem Verlauf liefern wird.

„Die Parkinson-Krankheit ist sehr komplex und zeigt sich in verschiedenen Formen mit vielen Symptomen. Durch die Untersuchung von Untergruppen von Patienten werden wir die der Krankheit zu Grunde liegenden Mechanismen besser verstehen und zur Entwicklung geeigneter Therapien beitragen können“, so Prof. Krüger abschließend.

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*NCER-PD ist ein gemeinsames Forschungsprogramm des Luxembourg Centre for Biomedicine Systems (LCSB) der Universität Luxemburg, dem Luxembourg Institute of Health (LIH) und seiner Integrated Biobank of Luxembourg (IBBL), dem Laboratoire National de Santé und dem Centre Hospitalier de Luxembourg.