Big Data gegen Stromdiebstahl
Veröffentlicht am Dienstag, den 28. April 2015
Das Interdisciplinary Centre for Security, Reliability and Trust (SnT) der Universität Luxemburg und das brasilianische Unternehmen CHOICE mit Firmensitz in Luxemburg und Geschäftsaktivitäten in Brasilien, Kolumbien und der Türkei haben ein Partnership Agreement unterzeichnet. Damit beginnen sie eine langfristig angelegte strategische Zusammenarbeit zur Erforschung neuer Analysemethoden im Bereich „Big Data”. CHOICE ist auf computerbasierte Systeme spezialisiert, über die nicht-technische Stromverluste – beispielsweise durch Diebstahl – festgestellt werden können. „Mit CHOICE greift unser Partnership Programm über die Grenzen Europas hinaus”, sagt der Direktor des SnT, Prof. Björn Ottersten: „Dies zeigt, dass unsere Forschungsexpertise für IT-Anwendungen von Industrie- und Versorgungsunternehmen weltweit wahrgenommen und geschätzt wird.” Anomalien aufspürenSchwellenländer wie Brasilien, aber auch Länder in Lateinamerika, Osteuropa, im Mittleren Osten oder Asien erleben einen rasanten Ausbau ihrer Infrastruktur, so auch der Stromnetze. Die Stromanbieter sehen sich dabei mit einem Problem konfrontiert, das es in Westeuropa kaum gibt: Nicht-technische Verluste in Stromnetzen etwa durch Stromdiebstahl. „Wir haben uns auf dieses Thema spezialisiert”, sagt der Geschäftsführer von CHOICE, Denis Maciel Maia: „Mit unserer Technologie, die auf Algorithmen für maschinelles Lernen beruht, analysieren wir kontinuierlich die Daten von Versorgungsunternehmen, um Muster zu erkennen und um Diebstahl oder andere Abweichungen vorherzusagen. Stellen wir solche Anomalien fest, überprüfen Kontrolleure vor Ort, worauf sie beruhen und ob jemand wiederrechtlich Strom abzweigt oder ob es technische Ursachen gibt.” Sie ganz genau analysierenSolche Vor-Ort-Kontrollen sind aufwendig und teuer. Die Hinweise auf einen Diebstahl müssen deshalb sehr fundiert sein und möglichst viele Messparameter berücksichtigen. An dieser Stelle kommt das SnT ins Spiel: „Wir haben große Erfahrung ber der Analyse großer Datenmengen”, sagt Prof. Dr. Thomas Engel, stellvertretender Direktor des SnT und Leiter des SnT-NetLabs, in dem die Kooperation mit CHOICE betreut wird: „Die Tatsache, dass CHOICE auf der Basis solcher Datenmassen sehr schnell sehr verlässliche Entscheidungen treffen muss, erfordert neue, leistungsfähige Computerprogramme. Wir freuen uns darauf, dafür die entsprechenden Algorithmen erforschen zu können.” Warum bei der Analyse von Stromnetzen sehr große Datenmengen anfallen, erklärt Dr. Radu State, der am SnT die Projektpartnerschaft mit CHOICE betreut: „Es geht nicht einfach nur darum, den Stromverbrauch zu messen”, so State. „Hinweise auf Anomalien bekommt man vielmehr dann, wenn man auch den Stromdurchsatz in Nachbarnetzen, klimatische Daten wie Temperatur oder Niederschlag oder die wirtschaftliche Entwicklung – etwa die Leistung von Fabriken – mit berücksichtigt. Wir müssen deshalb Algorithmen entwickeln, die viele Datenquellen und auch eine Überlappung der Daten verarbeiten können. An diesem Beispiel lässt sich viel Grundsätzliches über Rechenoperationen in Big Data erforschen und lernen.” „Wir freuen uns sehr über das Partnership Agreement mit dem SnT”, ergänzt CHOICE-Geschäftsführer Denis Maciel Maia: „Wir werden damit die nächste Generation an Algorithmen entwickeln. Die Zusammenarbeit mit dem SnT war der entscheidende Faktor, weshalb wir Luxemburg als Sitz unserer Firmenzentrale gewählt haben.” |
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