Bildet sich eine spekulative Blase auf dem Kunstmarkt?
Veröffentlicht am Mittwoch, den 06. Januar 2016
Forscher an der Universität Luxemburg warnen vor einer Überhitzung des Kunstmarktes, einem der Investmentbereiche mit den höchsten Zuwachsraten des letzten Jahrzehnts. Anlass dazu geben die Ergebnisse einer Studie, die durch eine neuartige Analyse von Millionen von Daten aus Kunstauktionen Spekulationsblasen erkennen lässt. Über die spekulative Blase auf dem KunstmarktWenige Marktsektoren haben sich so kräftig erholt wie der Kunstmarkt, welcher sich seit Beginn der wirtschaftlichen Erholung nach der Finanzkrise von 2008/09 im Wert verdoppelt hat; dies gilt insbesondere für zeitgenössische Kunst. Die Grafik zeigt den Kunstmarktcrash der frühen 90er als auch das starke Wachstum im Anschluss an die Finanzkrise von 2008/09; auf Basis der Top 500 Künstler und im Vergleich zur Entwicklung von Gold- und Immobilienpreisen sowie dem Standard & Poor's 500 Aktienindex auf. © Roman Kräussl / Universität Luxemburg
Verschiedene Kunstexperten warnen, dass ein solches Marktwachstum unhaltbar ist und eine Blase entsteht, die mit Sicherheit platzen wird, wie es schon in den frühen 90er Jahren und 2008/09 der Fall war. Aufsehenerregende Verkäufe von Kunstwerken aus der Nachkriegszeit und moderner Kunst für über 100 Mio. US-Dollar scheinen diesen Stimmen recht zu geben. Aber bildet sich tatsächlich eine spekulative Blase? Spekulationsblasen werden gemeinhin als ein dramatischer Anstieg des Handels mit Vermögenswerten zu Preisen definiert, die deren Fundamentalwert übersteigen, gefolgt von einem plötzlichen Kollaps. Rationalen Erwartungen zufolge entspricht der Fundamentalwert eines Vermögensgegenstands dessen erwartetem abgezinstem Zahlungsstrom. Bei den meisten Vermögensgegenständen ist es relativ einfach, diesen Wert vorauszuberechnen – zum Beispiel durch Dividenden auf Aktien oder Mieterlöse aus Immobilien. Bei der Kunst lassen sich Erträge jedoch nur selten mit den Herstellungskosten in Zusammenhang bringen. Erkennung von Spekulationsblasen?Um dieses Problem zu umgehen, haben Dr. Roman Kräussl, Prof. Dr. Thorsten Lehnert und Dr. Nicolas Martelin, die alle an der „Luxembourg School of Finance“ der Universität Luxemburg tätig sind, ein neues und direktes statistisches Verfahren zur Erkennung von Spekulationsblasen angewendet. Sie haben über eine Million Daten aus Auktionen der letzten 36 Jahre analysiert und dabei sechs große Kunststile untersucht. Die Autoren konnten dadurch zwei Spekulationsblasen der Vergangenheit erkennen und eine explosive Bewegung in den Marktsegmenten der Kunstrichtungen „Impressionismus und Moderne“, „Kunst der Nachkriegszeit und zeitgenössische Kunst“, „Amerikanische Kunst“ und „Alte Meister“ ausmachen. In ihrer im Journal of Empirical Finance veröffentlichten Studie ziehen sie die Schlussfolgerung, dass der Kunstmarkt aktuell Anzeichen einer Überhitzung zeigt, so dass es in absehbarer Zukunft zu einer tiefgreifenden Korrektur kommen könnte. - - - |
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