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Das Jahrhundert der Wissenschaft: Siegeszug der Forschungsuniversität

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Veröffentlicht am Dienstag, den 28. November 2017

In einer neuen Publikation mit dem Titel „The century of science: The global triumph of the research university“ haben Autoren aus mehreren Ländern globale wissenschaftliche Entwicklungen im 20. Jahrhundert untersucht. Sie analysierten, wie universitäre Forschung weltweit die wissenschaftliche Produktivität bei Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT-Fächer) sowie Medizin vorangetrieben hat.

Die über fünf Jahre gehende Untersuchung im Rahmen des SPHERE-Projekts zeigte die globalen Umwälzungen bei der wissenschaftlichen Produktivität und der Entwicklung wissenschaftlicher Kapazitäten, sowie die lokalen Entwicklungen seit 1900 auf.

Globale Umwälzungen und das Zentrum wissenschaftlicher Produktivität

Im 20. Jahrhundert gab es massive regionale Veränderungen bei der Produktivität wissenschaftlicher Beiträge. Zu Beginn des Jahrhunderts trugen Westeuropa und Nordamerika am meisten zur Forschungsentwicklung bei, vor allem durch Universitäten. Der Hauptanteil wissenschaftlicher Produktivität verlagerte sich im frühen 20. Jahrhundert von Europa in die USA, wo private und öffentliche Mittel schnell dafür sorgten, dass Hochschulausbildung und Forschung Fortschritte machten. In Ostasien führten massive Investitionen und Hilfen in den letzten Jahrzehnten dazu, dass beispielsweise in Japan, China, Südkorea und Taiwan die wissenschaftliche Produktivität und Kapazität stark anstiegen. Europa und Nordamerika bleiben weiterhin wichtige Akteure im Wissenschaftsbetrieb, wobei etablierte Einrichtungen eine Vorbildfunktion ausüben. Faktisch bleibt Europa weiterhin das Zentrum wissenschaftlicher Produktivität.

Der Siegeszug der Forschungsuniversität

Im 20. Jahrhundert ist die Nachfrage nach akademischer Ausbildung

stetig angestiegen. Die Länder reagierten darauf, indem sie in Hochschulausbildung und Wissenschaft (vor allem in den MINT-Fächern und Medizin) investierten sowie auf verstärkte Zusammenarbeit setzten. Das resultierte in einer guten Infrastruktur und vergrößerte die Anzahl von Wissenschaftlern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Verglichen mit anderen Organisationen im Wissenschaftsbetrieb – wie außeruniversitäre Forschungsinstitute, Regierungseinrichtungen, private Unternehmen und Krankenhäuser – bleiben Forschungsuniversitäten weiterhin entscheidend für das weltweite Wachstum wissenschaftlicher Produktivität. Diese Einrichtungen sind die wichtigsten Betreiber vonGrundlagenforschung, die den Hauptteil wissenschaftlicher Publikationen und Produktivität ausmacht. Trotz ökonomischer Krisen und Konflikte ist die wissenschaftliche Produktivität in den MINT-Fächern inklusive Medizin seit Beginn des Jahrhunderts aufgestiegen.

Netzwerke verstärken Konkurrenz und Kooperation

Als Konsequenz der systematischen Globalisierung, und im Fall Europas, der Europäisierung, beobachten die Autoren von „The Century of Science“ einen wachsenden internationalen Wettbewerb, vor allem zwischen den wissenschaftlich produktivsten Regionen (Nordamerika, Europa und Ostasien). Dennoch stellen sie gleichzeitig fest, dass es viel mehr internationale Zusammenarbeit zwischen einzelnen Wissenschaftlern und Organisationen gibt, begünstigt durch Kommunikationstechnologien und bessere Reisemöglichkeiten. Das trägt zum weltweiten Siegeszug der Forschungsuniversitäten bei.

Am 9. November wurde die Publikation „The century of science: The global triumph of the research university“ in den USA mit dem 2017 „Award for Significant Research on International Higher Education“ von der ASHE (Association for the Study of Higher Education) ausgezeichnet.

In der Grossregion

Ähnlich beschäftigen sich zwei Forscher der Universität Luxemburg, Justin J.W. Powell und Jennifer Dusdal, im wissenschaftlichen Artikel „Science Production in Germany, France, Belgium, and Luxembourg: Comparing the Contributions of Research Universities and Institutes to Science, Technology, Engineering, Mathematics, and Health“ mit der Entwicklung von Universitäten und Forschungsinstituten in Luxemburg, Belgien, Frankreich und Deutschland. In allen vier Nachbarstaaten stellen Forschungsuniversitäten die wichtigsten Einrichtungen bei der wissenschaftlichen Produktivität dar, obwohl es in diesen Ländern unterschiedliche Verfahren bei Forschung und Entwicklung, der Hochschulausbildung und Forschungssystemen gibt. Trotz relativ bescheidener finanzieller Mittel bleiben Universitäten führend bei der Veröffentlichung von MINT- und Medizinpublikationen. In allen vier Ländern ist die Anzahl wissenschaftlicher Beiträge stark angestiegen, vor allem seit den 1970er Jahren.

 

 

Foto copyright: Universität Luxemburg / Michel Brumat