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Die Blase auf dem Kunstmarkt ist geplatzt

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Veröffentlicht am Dienstag, den 06. Juni 2017

Der weltweit umfangreichste Preisindex für den Kunstmarkt, der von Prof. Dr. Roman Kräussl an der Luxembourg School of Finance der Universität Luxemburg entwickelt wurde, zeigt, dass die Preise für Nachkriegs- und Gegenwartskunst 2016 um 21 Prozent gefallen sind – seine Warnung vor einer Überhitzung des Kunstmarktes wird damit bestätigt.

„Die spekulative Blase ist geplatzt“, so Prof. Dr. Roman Kräussl, Experte für alternative Investments. Von 2009 bis 2015 hatten sich die Preise für Nachkriegs- und Gegenwartskunst mehr als verdoppelt und waren weit über ihren langfristigen Trendwert geklettert. In einer früheren, von Prof. Dr. Kräussl veröffentlichten Forschungsarbeit wurde davor gewarnt, dass der Kunstmarkt Anzeichen einer Überhitzung zeigt. Durch die Analyse von mehr als einer Million Daten aus Auktionen der letzten 36 Jahre, die die sechs wesentlichen Kunststilen umfasst, identifizierten Prof. Dr. Kräussl und sein Team einen Trend, der denen früherer spekulativer Blasen in den 1990ern und 2008/09 ähnelte.

Der neue Kunstmarktindex, den Prof. Dr. Kräussl für die deutsche Veröffentlichung manager magazin erstellt hat, scheint Prof. Dr. Kräussls frühere Warnungen zu bestätigen. Obwohl eine größere Anzahl an Gemälden verkauft wurde als im Vorjahr, fielen die Umsätze bei Kunstauktionen 2016 um 29 Prozent. Der durchschnittliche Preis pro versteigertem Werk stürzte von 160.000 auf 108.000 US-Dollar. Selbst die Werke von Nachkriegsstars wie Francis Bacon, Mark Rothko und Roy Lichtenstein verbilligten sich um 20 Prozent. Die Preise in anderen Kunstmarktsegmenten, von den Impressionisten und der Moderne bis zu den Alten Meistern, sanken ebenfalls deutlich.

Prognose von Professor der Luxembourg School of Finance bestätigt

„2016 war das Jahr des Kunst-Crashs“, resümiert Prof. Dr. Kräussl. „Preise in der Nähe des langfristigen Trendwerts sprechen dafür, dass sich der Kunstmarkt 2017 erholen wird“, fügt Kräussl jedoch hinzu. In der Tat wurde Jean-Michel Basquiats Gemälde „Untitled“ (1982) im Mai bei Sotheby’s in New York für 110,5 Millionen US-Dollar versteigert. Der vorherige Auktionsrekord des Künstlers lag bei 57,3 Millionen US-Dollar.

Medienberichte von steigenden Kunstmärkten seinen aber verfrüht, so Prof. Dr. Kräussl. „Mehrere hochpreisige Kunstwerke wurden kurz vor ihrer Auktion zurückgezogen, da das Risiko bestand, dass sie sich nicht verkaufen werden“, erklärt der Forscher. Eine Erholung nach der tiefgreifenden Korrektur im Kunstmarkt letztes Jahr zeichnet sich zwar aber, aber Renditen werden zunächst flach bleiben. „Man sollte einen Basquiat kaufen, wenn er einem gefällt,“ sagt Prof. Dr. Kräussl, „aber nicht ausschließlich zur Vermögensbildung.“

Als Grundlage des manager magazin-Preisindex für den Kunstmarkt dienen die Daten von über fünf Millionen Verkäufen von mehr als 700 Auktionshäusern. Der häufig zitierte Sotheby’s Mei Moses Kunstindex erfasst im Vergleich gerade einmal gut 45 000 Daten. Andere Kunstmarktreports enthalten kaum Preisangaben und beruhen teils auf nicht überprüfbaren Umfragedaten von Galeristen. In dem Kunstmarktbericht der TEFAF wurde beispielsweise ein Preisrückgang von 8,6 Prozent für den gesamten Kunstmarkt im Jahr 2016, aber ein Preisanstieg von 4 Prozent bei Nachkriegs- und Gegenwartskunst angegeben. Dies widerspricht dem bei öffentlich verfügbaren Auktionspreisen zu beobachtenden Rückgang.

Das Berechnungsverfahren für den mm-Kunstindex wurde in führenden wissenschaftlichen Zeitschriften wie der Review of Financial Studies und dem Journal of Empirical Finance veröffentlicht.

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Wir weisen darauf hin, dass Prof. Dr. Kräussl am 15. Juni um 18h00 seine Antrittsvorlesung zum Thema „The True Value of Art“ halten wird, zusammen mit Luxembourg School of Finance Professor Ulf von Lilienfeld-Toal, der zum Thema „What finance research can do for society? Real estate and evidence-based policy advice“ sprechen wird. Die Vorlesungen finden im Weicker Gebäude (Raum B001), 4 rue Alphonse Weicker, statt. Um Anmeldung per E-Mail an lsf-events@uni.lu bis zum 13. Juni wird gebeten.

© Michel Brumat / Universität Luxemburg