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Die Uni feiert Ingenieurinnen: Ein Interview mit Maryam Baniasadi

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Veröffentlicht am Dienstag, den 22. Juni 2021

Der 23. Juni ist der Internationale Tag der Frauen im Ingenieurwesen. An der Universität Luxemburg feiern wir die Arbeit und die Leistungen von Ingenieurinnen.

Dr. Maryam Baniasadi wuchs in einer Mittelklassefamilie in Kerman, einer Stadt im Süden des Irans, auf. Seit ihrer Kindheit hatte sie den Traum, zu studieren, um ein hohes Bildungsniveau zu erreichen. 2014 fing sie als Doktorandin im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen mit dem Schwerpunkt computergestützte mathematische Modellierung an der Fakultät für Wissenschaft, Technologie und Medizin der Universität Luxemburg an. 2018 schloss sie ihr Studium ab. Heute arbeitet sie als Verfahrensingenieurin bei Paul Wurth in Luxemburg.

In einem Interview spricht sie darüber, warum sie sich entschieden hat, Ingenieurin zu werden, über ihre aktuelle Rolle als Verfahrensingenieurin und welche Herausforderungen Frauen in der Welt der Technik noch haben.

Wann und warum haben Sie sich entschieden, Ingenieurin zu werden?

Ich war immer gut in Mathe und hatte gute Noten in Rechenkursen. Außerdem habe ich zu Hause sehr gerne elektrische oder mechanische Geräte auseinander- und zusammengebaut, um herauszufinden, wie sie funktionieren. Daher war ich mir ziemlich sicher, Ingenieurin zu werden, obwohl ich unschlüssig war, welches Feld und welche Spezialisierung ich wählen sollte. Als ich auf dem Gymnasium war, besuchten wir ein Zementwerk. Ich glaube immer noch, dass dies ein inspirierender Moment für mich war. Diese Erfahrung bewegte mich dazu, mehr über Chemie-/Wirtschaftsingenieurwesen zu lernen. Heute bin ich froh, dass ich meinen Weg zur richtigen Zeit gefunden habe.

Sie arbeiten jetzt bei Paul Wurth. Was sieht Ihr Aufgabenbereich aus?

Derzeit arbeite ich als Verfahrensingenieurin in der Abteilung Prozess und Technik. Ich beschäftige mich mit vielfältigen Aufgaben, die sich in zwei Arten einteilen lassen. Einerseits muss ich Massen- und Energiebilanzberechnungen durchführen, Spezifikationen erstellen und Antworten auf Anfragen vorbereiten. Auf der anderen Seite muss ich sehr innovativ sein und neue Ideen entwickeln, um fortschrittliche Produkte zu schaffen. Die meisten Ideen beziehen sich auf die Erstellung von robusten mathematischen und numerischen Modellen, die in unsere Digitalisierungsplattformen integriert werden können. Ich bin in mehreren Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsprojekten aktiv. Unser Unternehmen arbeitet eng mit der Universität Luxemburg zusammen, wo ich auch eine Vorlesung zum Thema „Energetik des Hochofens“ halte.

Wie sieht ein typischer Tag in Ihrem Job aus?

Was ich an meiner Arbeit sehr mag, ist, dass jeder Tag anders ist. Jede Frage, die mit Prozessen zu tun hat, landet bei uns im Büro. Es kann die Berechnung, Auswertung, Empfehlung und/oder Simulation einer bestimmten Anfrage sein. Die Anfrage kann intern von Kollegen oder externe von Kunden kommen. Ein typischer Tag ist daher eine Mischung aus Büroarbeit, Meetings, Berechnungen und natürlich Kaffeepausen.

Vor welchen Herausforderungen stehen Frauen in den Ingenieurberufen/der Wissenschaft?

In der modernen Welt, in der wir leben, in der Frauen an der Spitze von Ländern stehen und in allen Bereichen präsent sind, sehe ich kein Hindernis, das mich vom Erreichen meiner Träume abhalten könnte. Allerdings gibt es immer noch Diskriminierungen und Vorurteile, dass Frauen nicht die gleiche harte, körperliche Arbeit leisten können wie Männer. Außerdem ist es als Frau in der Branche nicht so einfach, die richtige Work-Life-Balance zu finden. Manche Aufgaben erfordern viele Reisen und lange Arbeitszeiten, vor allem, wenn man auf internationaler Ebene tätig ist. Daher ist es sehr bewundernswert, wenn man die richtige Balance findet, eine gute Mutter, eine geliebte Ehefrau und eine hart arbeitende Kollegin zu sein.

Was kann Ihrer Meinung nach getan werden, um mehr Mädchen schon in jungen Jahren für den Ingenieurberuf zu begeistern?

Meiner Meinung nach sollten wir Frauen Vertrauen in unsere Fähigkeiten und Talente haben. Wir sollten glauben, dass es keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen gibt. Wenn Sie sich für Wirtschaftsingenieurwesen interessieren, unterschätzen Sie Ihre Fähigkeiten nicht und folgen Sie Ihren Träumen.

 

Studiengänge im Ingenieurwesen an der Universität Luxemburg