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„Ganz gut, aber…“. Studie zum Wohlbefinden von Kindern erschienen

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Veröffentlicht am Donnerstag, den 08. März 2018

Am Donnerstag, den 15. Februar wurde in Berlin die 4. World Vision Kinderstudie vorgestellt, die die Ergebnisse einer direkten Befragung von 2 550 Kindern zu verschiedenen Aspekten der Kinderentwicklung zusammenfasst. Zum ersten Mal nahm ein Wissenschaftler der Universität Luxemburg, Prof. Sascha Neumann, als Co-Leiter der Forschung teil.

Die World Vision Kinderstudie 2018, geleitet von Prof. Sabine Andresen der Goethe-Universität in Frankfurt und Prof. Sascha Neumann, bietet variierte und interessante Einblicke in die Lebenswirklichkeit von Kindern in Deutschland. Das Forschungsteam hat 2 550 Kinder im Alter von 6 bis 11 Jahren zu ihrem Wohlbefinden in wichtigen Lebensbereichen (Schule, Familie und Freizeit) befragt. Die direkte Befragung von Kindern inklusive der jungen Altersgruppe der 6-7-Jährigen ist international bislang einzigartig.

Schwerpunktthema Flucht und geflüchtete Menschen

Ein Schwerpunkt der 4. World Vision Kinderstudie lag auf den Erfahrungen von Kindern in Deutschland mit Flüchtlingen. Die Debatte um die Aufnahme und die Integration von Geflüchteten hat die deutsche Öffentlichkeit seit 2015 stark geprägt. Wie die Studie zeigt, haben die Kinder ein feines Gespür für diese Situation. Dabei äußerten die befragten Kinder mehrheitlich ein hohes Maß an Mitgefühl mit den geflüchteten Menschen. Insgesamt 85% sprechen sich dafür aus, ihnen zu helfen und etwas abzugeben. Die Mehrheit der Kinder berichtet zudem über positive Erfahrungen beim Kontakt mit geflüchteten Menschen, gut ein Drittel auch davon, ab und an etwas mit geflüchteten Kinder unternommen zu haben. Bei Kindern ohne deutsche Staatsangehörigkeit sind dies sogar 53%. Dennoch nehmen 10% der Kinder eine eher distanzierende Haltung ein. Sie ist in Ostdeutschland fast doppelt so häufig anzutreffen wie in Westdeutschland.

Kinderarmut als ungelöstes Problem

Den Ergebnissen zufolge geht es zwar dem überwiegenden Teil der Kinder in Deutschland gut, aber eben nicht allen. Denn ein Fünftel der Kinder ist von konkretem Armutserleben betroffen. Die Ergebnisse der Studie zeigen zudem eine Vielzahl negativer Auswirkungen auf, die mit dem Armutserleben einhergehen: Davon betroffene Kinder haben weniger Freunde, sind seltener in Vereinen aktiv und beklagen häufiger, dass sie zu wenig Zeit mit ihren Eltern verbringen. Auch haben sie weniger Zuversicht in die eigenen schulischen Leistungen. Der Anteil an Kindern mit konkretem Armutserleben ist seit Jahren konstant, wie ein Vergleich mit den Vorläuferstudien zeigt: „Politisch besteht hier unverändert großer Handlungsbedarf“, sagt Sascha Neumann.

Partizipation und Mitbestimmung sind ausbaufähig

Wichtige Befunde liefert die Studie auch zur Frage, inwieweit Kinder im Alltag bei den sie betreffenden Belangen mitbestimmen können. Die Ergebnisse zeigen ein durchwachsenes Bild, weswegen die Studie davon spricht, dass das Recht auf Mitbestimmung von Kindern sowohl in der Breite, also für alle Kinder, als auch in der Tiefe – das heißt in allen Lebensbereichen – stärkere Berücksichtigung finden muss. Zwar gibt die Mehrheit der Kinder an, dass ihre Anliegen in der Familie und bei Freunden ernst genommen werden. Demgegenüber ist aber das Niveau der Mitbestimmung in der Schule eher gering. So äußern nur 32% der Kinder den Eindruck, dass Lehrerinnen und Lehrer Wert auf ihre Meinung legen. Zudem erweisen sich die Mitbestimmungsmöglichkeiten als stark abhängig vom Alter und der sozialen Herkunft der Kinder: Je höher die soziale Schicht und je älter die Kinder, umso größer ist ihre Chance eigene Sichtweisen und Bedürfnisse geltend machen zu können.

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Das Buch zur Studie ist unter folgendem Titel erschienen: World Vision Deutschland e.V. (ed.) (2018). Kinder in Deutschland 2018. 4. World Vision Kinderstudie. Weinheim, Basel: Beltz.