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Veröffentlicht am Montag, den 18. April 2016
Der Aufbau des Instituts für Zeitgeschichte an der Universität Luxemburg läuft. Nach der Stellenanzeige zur Berufung eines Direktors veröffentlichte die Universität nun auch Mission und Leitlinien des Forschungszentrums. Es soll nach dem im Jahr 2011 gegründeten Zentren Interdisciplinary Centre for Security, Reliability and Trust (SnT) und Luxembourg Centre for Systems Biomedicine (LCSB) das dritte interdisziplinäre Zentrum der Uni werden.
Digitaler Fokus soll neues Forschungszentrum einzigartig machenSchwerpunkte der Forschung werden die Luxemburger Zeitgeschichte, die Geschichte der Europäischen Integration sowie digitale Geschichte. “Insbesondere der Fokus auf digitale Forschung, den das Zentrum gemeinsam mit der Fakultät für Humanwissenschaften (FLSHASE) aufbauen wird, macht das Zentrum innovativ und in der europäischen Forschungslandschaft einzigartig”, so Rektor Rainer Klump. Die Verknüpfung der drei Bereiche ermögliche der Luxemburger Zeitgeschichte eine breitere Perspektive und füge sich in die Universitätsstrategie.
ForschungsschwerpunkteIm Bereich Luxemburger Zeitgeschichte sollen politische, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Phänomene untersucht werden, die Luxemburg im 20. und 21. Jahrhundert stark beeinflusst haben und über eine rein nationale Perspektive hinausgehen – allen voran die Weltkriege und Fragen von Besatzung und Resistenz, aber auch der Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungswirtschaft oder die Nationenbildung.
Der Schwerpunkt Europäische Integration wird diewirtschaftlichen, politischen und juiristischen Phasen der europäischen Integration und Disintegration sowie Krisen und Wiedergeburten der europäischen Idee untersuchen. Da die europäische Integration auch vom EU-Gründungsland Luxemburg ausging und dessen Geschichte eng mit Europa verbunden ist, liegt es laut der Wissenschaftler nahe, die beiden Themen in einem Zentrum zu bündeln.
Digitale Geschichte meint den Einsatz moderner Methoden und Techniken, um digitale Quellen für die Forschung zu nutzen, etwa durch die Erfassung, Speicherung und Analyse großer historischer Datenbestände, und deren Visualisierung. Gemeint ist damit aber auch, Geschichte zeitgemäβ und auf neue Art zu vermitteln, etwa im Internet oder über soziale Medien. „Die Jugend hat andere Kommunikationsgewohnheiten. Wissenschafter müssen lernen, ihre Erkenntnisse entsprechend aufzubereiten, damit ihr Wissen der Gesellschaft und der nächsten Generation dient“, betonte der Rektor. Der Fokus auf digitale Geschichte ist eingebettet in den Ausbau der Digital Humanities an der FLSHASE und profitiert hier von der interdisziplinären Perspektive und der gemeinsam genutzten Infrastruktur.
Integration bisher unabhängiger InstituteDas neue interdisziplinäre Zentrum trägt im Englischen den ausführlicheren Arbeitstitel “Luxembourg Centre of Contemporary, European and Digital History” und soll mit der FLSHASE, dem Historischen Institut sowie internationalen Partnern eng kooperieren. Zudem wird die Universität gemäβ Regierungsentscheidung bis Sommer 2016 vier bisher unabhängige Institute aus diesem Bereich integrieren – das “Centre Virtuel de la Connaissance sur l’Europe” (CVCE), das “Centre d’Etudes et de Recherches Européennes Robert Schuman”, den Forschungsbereich ”Centre de documentation et de recherche sur la Résistance” und das “Centre de documentation et de recherche sur l’enrôlement forcé”.
Die Luxemburger Forschung sei an der Uni gut aufgehoben, da diese stabile Mittel, Teams und Strukturen sowie internationale Kontakte gewährleiste und damit langfristige, intensive Forschungsprojekte auf hohem Niveau ermögliche. Als interdisziplinäre Struktur auβerhalb der Fakultäten angesiedelt und mit einem separaten Budget sehr gut ausgestattet sei das Zentrum zudem besonders autonom, und die Wissenschaftler verschiedener Fächer sorgten für innere Pluralität, so Rainer Klump weiter.
Unterdessen ist auch die Eingliederung der rund 40 Mitarbeiter des CVCE in die Universität angelaufen, so dass das CVCE seine laufenden Projekte kontinuierlich weiterführen kann. „Für die Universität ist die Integration des CVCE eine groβe Chance, unsere digitale Strategie für eine Universität des 21. Jahrhunderts weiter voran zu treiben“, erklärte der Rektor. „Die technische und digitale Infrastruktur des CVCE kommen damit nicht nur der Geschichts- oder Europaforschung, sondern der gesamten Universität zugute.“
Die Ausarbeitung eines detaillierten Konzepts und weitere Entscheidungen sind Aufgabe des zukünftigen Direktors in Zusammenarbeit mit dem Rektor. Eine Entscheidung über die Nominierung des zukünftigen Direktors wird bis zum Sommer erwartet.
© Sophie Margue / Universität Luxemburg 2015
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