Neue Methode zur Erfassung der Wahrnehmung von Atmungssignalen
Veröffentlicht am Mittwoch, den 07. Dezember 2016
Gehirn und Körper tauschen ständig Informationen aus. Diese Gehirn-Körper-Kommunikation ist entscheidend für die psychische und körperliche Gesundheit. Ihre Störung trägt zu chronischem Stress, sowie körperlichen und psychischen Krankheiten bei. Die Gehirn-Körper-Kommunikation spiegelt sich in der Wahrnehmung körperlicher Prozesse, der sogenannten "Interozeption" wider. Die Interozeption spielt im Alltag eine wichtige Rolle. Eine funktionierende Interozeption kann Lern- und Gedächtnisprozesse verbessern und emotionale Erfahrung und Empathievermögen fördern sowie das intuitive Entscheidungsverhalten (z. B. das "Bauchgefühl" in der Entscheidungsfindung) stärken. Objektive Einschätzung der InterozeptionEine objektive Einschätzung der Interozeption von Individuen ist jedoch schwierig, da die Antworten vieler Menschen auf die Frage nach ihrem Körperempfinden von den tatsächlichen körperlichen Signalen abweichen. Dr. André Schulz und Prof. Claus Vögele von der Integrative Research Unit on Social and Individual Development (INSIDE) an der Universität Luxemburg haben gemeinsam mit Kollegen der Universität Trier eine neue Methode entwickelt, um Signale aus dem menschlichen Atmungsapparat (sprich: der Lungen) zu erfassen, die bestimmen, wie die Atmung wahrgenommen wird. Diese Methode basiert darauf, dass die Wissenschaftler unwillkürliche ("nicht reaktive") Lidschlagreflexe als Reaktion auf unerwartete, erschreckende Geräusche analysieren, die sich bei Einatmung und Ausatmung unterscheiden. Die Forscher entwickelten einen neuen mathematischen Algorithmus, der regelmäßige Muster erkennt und damit, präziser als bislang möglich, Phasen der Einatmung und Ausatmung erkennt. Diese Methode könnte auch für Forscher in anderen Bereichen der Klinischen Psychologie, Psychophysiologie und Atmungsphysiologie nützlich sein. Diese neue Methode kann dazu beitragen, die Unterschiede zwischen interozeptiven Selbstberichten und tatsächlichen körperlichen Empfindungen bei psychischen Störungen (z. B. Panikstörungen) besser zu verstehen. SonderausgabeDiese Forschungsergebnisse wurden vor kurzem in der renommierten Zeitschrift "Philosophical Transactions of the Royal Society B: Biological Sciences" veröffentlicht, die dem Thema „Interozeption“ eine Sonderausgabe gewidmet hat und am 10. Oktober 2016 veröffentlicht wurde. In 16 Originalarbeiten, Rezensionen und Meinungsartikeln diskutieren weltweit führende Wissenschaftler aus diesem Forschungsbereich normale und gestörte Formen der Interozeption. Die Arbeiten umfassen konzeptionelle Überlegungen, methodische Entwicklungen und die Neurobiologie bei normaler, sowie gestörter Interozeption im Rahmen psychischer und neurologischer Störungen. - - - Image: The constant dialogue between the heart and the brain, the two most important organs of the body, illustrates the fundamental role that interoception plays for cognition. |
|
|















