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Projekt von LCSB und Gesundheitsministerium will Demenz vorbeugen

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Veröffentlicht am Freitag, den 02. Februar 2018

In Zusammenarbeit mit dem Luxembourg Centre für Systems Biomedicine (LCSB) der Universität Luxemburg hat das luxemburgische Gesundheitsministerium Maßnahmen ergriffen, damit mehr Menschen mit Hilfe des Programms Demenz Prävention (pdp) ihr Demenzrisiko wirksam verringern können.

Die Statistik sagt, dass unsere Lebenserwartung steigt. Je älter wir werden, desto größer wird aber auch das Risiko, an einer Demenz zu erkranken. „Dieses Risiko bei möglichst vielen Menschen zu verringern, ist das Ziel des Programms Demenz-Prävention pdp“, soGesundheitsministerin Lydia Mutsch über den neuen Ansatz, den pdp jetzt in Luxemburg verfolgt.2017 wurden neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Möglichkeiten der Demenz-Vorbeugung veröffentlicht, die dem Programm enormen Schub verleihen: Demenz-Risikofaktoren lassen sich gezielt beeinflussen und reduzieren.

pdp: Demenz vorbeugen oder hinauszögern

Wer fragt sich nicht hin und wieder, ob seine Vergesslichkeit über eine ganz normale, gelegentliche Konzentrationsschwäche hinausgeht? Warum er Gesprächen mit mehreren Teilnehmern gerade schlecht folgen kann? Ist das noch im Rahmen des Normalen – oder droht da eine leichte Leistungsminderung des Gehirns, die sich später vielleicht zu einer Demenz entwickeln könnte?

Für Menschen, die tatsächlich von so einer leichten kognitiven Beeinträchtigung (englisch: Mild Cognitive Impairment, MCI) betroffen sind, gibt es Grund zur Hoffnung: Eine hochrangige, internationale Experten-Kommission hat im vergangenen Jahr eine Bewertung der aktuellen Studienlage zum Thema Demenz veröffentlicht. Das Ergebnis: Man kann dem Entstehen einer Demenz vorbeugen oder sie wenigstens hinauszögern.

„Dank der Studie kennen wir jetzt wichtige Risikofaktoren, die eine Demenz begünstigen, sehr genau“, sagt Prof. Dr. Rejko Krüger vom Luxembourg Centre for Systems Biomedicine (LCSB) der Universität Luxemburg. „Übergewicht, Bluthochdruck, Depressionen, Schwerhörigkeit oder ein schlecht eingestellter Diabetes, aber auch Rauchen, soziale Isolation oder mangelnde Bewegung gehören dazu“, so Krüger. Der Neurologe und Professor für Neurowissenschaften am LCSB koordiniert mit seinem Team das Programm Demenz-Prävention.

Prof. Dr Rudi Balling, Prof. Dr Ludwig Neyses, Lydia Mutsch, Prof. Dr Rejko Krüger, Dr. Jean-Claude Schmit

Prof. Dr. Rudi Balling, Prof. Dr. Ludwig Neyses, Lydia Mutsch, Prof. Dr. Rejko Krüger, Dr. Jean-Claude Schmit

Menschen, bei denen ein Verdacht auf eine leichte Leistungsminderung des Gehirns besteht und die Hinweise auf erhöhte Risikofaktoren zeigen, können von ihrem behandelnden Arzt an das Programm Demenz Prävention (pdp) überwiesen werden. Dort werden sie genau untersucht, um ihr kognitives Profil anhand von spezifischen Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- und Sprachtests zu erstellen. Ebenfalls erstellen Neuropsychologen ein Risikoprofil: Wie ist die körperliche Fitness? Kann der Betroffene gut hören? Hat er Normalgewicht? Mit diesen und vielen weiteren Fragen wird das individuelle Risikoprofil anhand der Anzahl und der Art der vorhandenen Risikofaktoren bestimmt.

Die Risikofaktoren werden analysiert, um dann konkrete Maßnahmen vorzuschlagen: Für Menschen, die ihre körperliche Aktivität steigern sollten, sind vielleicht Besuche in einem Fitness-Center das Richtige. Wer sein Gewicht reduzieren muss, dem ist unter Umständen mit einem Kochkurs für gesunde, mediterrane Ernährung geholfen. Solch ein Kurs kann auch sozialer Isolation vorbeugen. Bei wieder anderen lässt sich MCI mit gezieltem Training der Gedächtnisleistung oder einem passenden Hörgerät bekämpfen.

Zusammenarbeit für eine personalisierte Methode

pdp bietet also viele Möglichkeiten, die Demenz-Risikofaktoren besser in den Griff zu bekommen: Dazu gehört auch die intensive Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt, wie Professor Krüger betont: „Wir informieren die Ärzte über Art und Ausmaß der Demenzrisiken, die wir bei ihren Patienten festgestellt haben. Die Mediziner können dann die Therapie beispielsweise von Diabetes oder erhöhtem Blutdruck darauf einstellen.“ Nur in diesem kooperativen Ansatz sei es möglich, für jeden Betroffenen ein individuelles und wirksames Präventionsprogramm zu entwickeln, so Krüger weiter.

Die pdp-Experten stehen aber nicht nur mit den behandelnden Ärzten, sondern auch mit anderen Partnern wie Kursanbietern oder sozialen Dienstleistern in Kontakt. Wichtig ist deren Rückmeldung, wie das Angebot von pdp angenommen wird. Auch im direkten Kontakt ermuntert das pdp-Team die Teilnehmer, mit den vorgeschlagenen Maßnahmen das Risiko einer Demenz zu mindern: „Körperliche Aktivität und Ausdauer helfen, wieder geistig fit zu werden “, sagt Krüger. Und Gesundheitsministerin Lydia Mutsch ist sich sicher: „Mit pdp haben wir ein sehr gutes Instrument, damit Menschen auf wissenschaftlicher Basis und deshalb wirksam an ihrem Demenzrisiko arbeiten können. Jeder Demenz, der wir mit pdp entgegenwirken können, ist ein wunderbarer Erfolg!“

 

© Olivier Dessy/Olivimages