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Nationaler Bildungsbericht für Luxemburg vorgestellt

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Veröffentlicht am Freitag, den 14. Dezember 2018

Die Universität Luxemburg und das Ministerium für Bildung, Kinder und Jugend haben diese Woche den zweiten Nationalen Bildungsbericht für Luxemburg vorgestellt.

Der Bildungsbericht bietet einen einzigartigen und vielfältigen Einblick in das Bildungssystem des Großherzogtums. Die Autoren wollen damit eine sachliche und transparente Grundlage für die Debatte über das nationale Bildungswesen schaffen und Perspektiven für eine zukünftige Entwicklung des Bildungssystems aufzeigen.

Die Datenbasis, auf die sich die Artikel des Bildungsberichtes stützen, ist dabei bewusst breit angelegt. Die Forscher der Universität Luxemburg wählten quantitative sowie qualitative Ansätze. Daten aus Forschungsprojekten der Universität kommen ebenso zum Einsatz wie die (Neu-Auswertung bereits vorliegender Quellen.

Der Bericht wird vom LUCET (Luxembourg Centre for Educational Testing) der Universität und dem SCRIPT (Service de coordination de la recherche et de l´innovation pédagogiques et technologiques) des Ministeriums veröffentlicht. Die Einbindung in die Universität sowie der dreijährige Publikationsrhythmus stellen sicher, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse des Bildungsberichtes von tagesaktuellen Anforderungen unabhängig sind.

Der Bildungsbericht ist auf Deutsch und Französisch erhältlich, sowohl in Buchform als auch online.

Ausgewählte Ergebnisse

Bildungsungleichheiten

Im ersten Kapitel des Berichtes stehen Faktoren im Fokus, die Bildungsverläufe beeinflussen. Die Beiträge thematisieren vor allem Bildungsungleichheiten, die durch soziale Herkunft, Migrationshintergrund und Geschlechterzugehörigkeit bedingt werden, sowie die Versuche, diese Unterschiede aufzufangen.

Die Befunde verdeutlichen, dass Bildungsungleichheiten grundsätzlich veränderbar sind und sich insgesamt über die letzten Jahrzehnte hinweg verringert haben (Kapitel 1.5). Gleichzeitig bestehen weiterhin regionale Unterschiede und Benachteiligungen in einigen Bereichen, wie beispielsweise bei den Übergangsentscheidungen von der Grundschule in die Sekundarschule (Kapitel 1.2). Die kürzlich eingeführten Veränderungen im Orientierungsprozess könnten eine Chance darstellen, um Bildungsungleichen im Hinblick darauf zu verringern. Die Zufriedenheit der Eltern mit der Orientierung auf eine Sekundarschule ist seit der Reform jedenfalls gestiegen.

Nicht nur die Bildungsungleichheiten haben sich verändert, auch die Erträge von Bildungsinvestitionen haben sich im Zeitverlauf verschoben; Bildung bleibt aber nach wie vor die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit (Kapitel 1.8).

Kompetenzentwicklung

Die ersten Ergebnisse aus dem nationalen Bildungsmonitoring zeigen eine hervorragende Ausgangsbasis in den Schlüsselkompetenzen zu Beginn der formalen Bildung (ab Zyklus 2). Jedoch zeigen sich zu Anfang vom Zyklus 3 deutliche Kompetenzunterschiede, insbesondere im Leseverstehen, welche auf die soziale Herkunft oder den Migrationshintergrund zurückzuführen sind (Kapitel 1.6).

Die deutsche Unterrichtssprache stellt eine Herausforderung für die sprachlich heterogene Schülerschaft in Luxemburg dar. Diese Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, die Schüler angemessen auf die Hauptunterrichtssprachen vorzubereiten und den Alphabetisierungsprozess mit Sprachenunterricht zu unterstützen.

Ab der Mitte der Grundschule (Zyklus 3.1, 3. Klasse) bis zur Mitte der Sekundarschule (5e, 9. Klasse) sind die Lernverläufe eher stabil (Kapitel 1.4). Insgesamt entwickeln sich die Bildungsverläufe zwischen der 3. und 9. Klasse im Deutschen eher positiv und der Mathematik eher negativ. Die Mathematikleistungen verbessern sich im Verlauf der Zeit insbesondere bei Schülern, die eine der Unterrichtssprachen zu Hause sprechen.

Die Sprachenvielfalt im Bildungssystem ist somit nicht nur eine Herausforderung für den Sprachenunterricht, sondern auch für andere Fächer wie beispielsweise Mathematik (Kapitel 2.7). Die Ergebnisse zeigen weiterhin, dass schulische Leistungen oft durch die sprachlichen Kompetenzen in den Unterrichtssprachen beeinflusst werden und dadurch das tatsächliche kognitive Potential der Schüler zum Teil unerkannt bleibt.

Mehrsprachigkeit

Im zweiten Teil steht das mehrsprachige Schulsystem im Vordergrund. Durch soziale Herkunft und Migrationshintergrund bedingte Bildungsungleichheiten stehen im engen Zusammenhang mit unterschiedlichen Fähigkeiten im Bereich der Unterrichtssprachen.

In den Beiträgen werden Ansätze für erfolgreiche frühe Sprachförderungsprogramme aufgezeigt, die insbesondere Kindern ohne luxemburgischen Sprachhintergrund den Schuleinstieg erleichtern sollen (Kapitel 2.1) sowie didaktische Methoden, um bewusster mit sprachlich komplexen Situationen in der non-formalen und formalen Bildung umzugehen (Kapitel 2.2).

Der Wechsel der Unterrichtssprache zwischen Grund- und Sekundarschule im Zusammenspiel mit den unterschiedlichen Familiensprachen erschwert vielen Schülern den Zugang zu den MINT-Fächern (Kapitel 2.7, 1.4).  

In der Sekundarschule spiegelt sich die Mehrsprachigkeit des Bildungssystems in den Lesegewohnheiten der Jugendlichen wider. Insgesamt lesen Jugendliche zwar nur wenig zum Vergnügen, jedoch geben sie an, in vielen unterschiedlichen Sprachen zu lesen. Jugendliche bevorzugen zudem digitale gegenüber klassischen Medien (Kapitel 2.9).